Am 9. Oktober ist in Ecuador nationaler Feiertag anlässlich der Unabhängigkeit von Guayaquil, der mittlerweile größten Stadt Ecuadors, welche an der Küste liegt. Ein guter Anlass dort hinzufahren!
Da der Freitag also frei war machte ich mich Donnerstag gleich nach der Schule auf Richtung Quito, wo ich mich dann mit den Deutschen treffen wollte, mit denen ich nach Guayaquil fuhr. Da ist vorallem Larissa zu erwähnen, die ich im Experiment-Gebäude zufällig kennen gelernt hatte, als ich dort war, bevor ich nach Shell gefahren bin. Wir sind mittlerweile ganz gute Freunde und waren am Wochenende vorher auch schon mit den Deutschen aus ihrer Gruppe weg.
Der Direkt-Bus Quito-Guayaquil der Compañia “Ecuador” fuhr um 10h abends aus dem Terminal in der Mariscal ab. Nachdem zunächst ein schlechter Film lief bin ich ziemlich schnell eingeschlafen. Nach nur 9 Stunden Fahrt (normalerweise braucht der Bus etwa 10 oder mehr) kamen wir dann also um 6:30h in Guayaquil an. Wir haben uns dann erst nochmal in ein Café in den nahegelegenen internationalen Flughafen gesetzt, in dem ich schon mal mit meinem Vater war, als wir auf dem Rückflug von unserer Reise waren. Dort trafen wir dann Svenja aus Bremen-Nord (siehe 3. Blogeintrag), die zu der Zeit in einem Hostal in Guayaquil arbeitete, um uns dorthin zu führen. Das Hostal war echt der Hammer und nur zu empfehlen, für 5$ p.N./p.P. (ca. 3€) gibt es dort sogar Tischtennis, einen kleinen Pool und eine Küche zur freien Verfügung.
Am ersten Tag haben wir uns dann die Stadt ein bisschen angeschaut. Ich war ja schon auf meiner Rundreise vorher einmal da gewesen und kannte daher das meiste, was wir angeschaut haben schon. Man muss ehrlich gesagt zugeben, dass Guayaquil nicht so die schönste Stadt ist. Alles sehenswerte kann man innerhalb von ein bis zwei Stunden zu Fuß erlaufen und das wars dann schon fast. Der Malecón 2000 (die Uferpromenade) ist allerdings sehr schön und der Parque de Iguanas (Leguan-Park) vor der Kathedrale ist ebenfalls sehenswert. In diesem winzigen Park leben mehr oder weniger wild Landleguane, mitten in der Innenstadt von Guayaquil.
Was ich noch nicht kannte und sehr schön fand war der Aufstieg zu einem Aussichtsturm, der sich auf einem Hügel am Ufer im Viertel Las Peñas befindet und von dem man einen beeindruckenden Überblick über Guayaquil hat.
Von den Feierlichkeiten anlässlich der Unabhängigkeit kann ich leider gar nicht so viel erzählen, denn es schien so, als ob es praktisch nichts gäbe. Den Nachmittag über gab es eine Parade in der Avenida del 9 de Octubre, aber so wirklich interessant war das nicht.
Wir sind dann abends noch weggegangen, nichts besonders erwähnenswertes.
Am Samstag haben wir uns dann relativ früh aufgemacht, um vom Busterminal aus in den Ort “Playas” zu fahren, wo es – wie man sich leicht denken kann – Strand gibt. Leider war das Wetter nicht sooo super, es war etwas kühl und grau-bewölkt, wir haben uns aber nichtsdestotrotz an den Strand gelegt, schon mal rein aus Trotz. Dort verbrachten wir dann den Nachmittag, wie immer umworben von Essens-, Eis- und sonstigem Kleinkram-Verkäufern. Dann mussten wir schnell den Bus besteigen, denn schließlich stand ein entscheidenes Spiel Ecuador-Bolivien in der WM-Quali an und das wollten wir natürlich am Malecón gucken. Wir kamen dann etwas verspätet schon zur Ende der 1. Halbzeit an und ehrlich gesagt hätten wir auch weg bleiben können, denn da Ecuador am Ende verlor war mit guter Stimmung nichts. Vorallem weil dieser Ausgang bedeutete, dass Ecuador im nächsten Spiel gegen Chile gewinnen musste und sonst raus ist (was dann auch so kam, am Mittwoch danach haben sie verloren).
Wir sind dann aber am Abend noch losgezogen, um in die Disko zu gehen. Zunächst sind wir mit dem Taxi zu einer kleinen Diskomeile gefahren, die im Reiseführer empfohlen worden war. Dort gab es allerdings nur eine einzige Disko, die nicht praktisch ausschließlich von Schwulen und Lesben betreten wurde und die war auch noch mehr oder weniger leer. Also haben wir einfach ein paar Leute vor der Disko angequatscht um eine Alternative zu finden. So erfuhren wir, dass nur etwa 10 Minuten zu Fuß die “beste Disko Guayaquils”, das Fizz war und dort sind wir dann auch hin.
Der Eintritt kostete happige 16$, dafür konnte man aber so viel Trinken wie man wollte, Bier, Whiskey, Vodka, Rum mit beliebiger Mischung. Ich hab mich vorher auch noch mal durchführen lassen und es war voll, die Musik war gut und die Stimmung auch. Nach einigem Zögern sind wir dann also rein.
Die Mädels sind dann schon so gegen 3 weg, während ich mit Christian, nem Kumpel, noch bis zum Schluss geblieben bin und das hat uns und vorallem mir noch eine ordentliche Überaschung beschehrt:
Ich stand gerade an der Bar, als mich ein Mädel, Jazmin, anspricht. Nach zwei Minuten Unterhalung stellt sie mir dann ihre Cousine Andrea vor. Wir reden noch ein bisschen und die beiden erfahren von mir, dass ich nördlich von Quito in einem kleinen Dorf arbeite. Also fragen sie nach dem Namen, wobei ich ihnen den aber erst nicht gesagt hab, weil das ja keiner kennt. Sie haben dann aber drauf bestanden und als sie den Namen “Piganta” hörten fragten sie doch glatt: “Kennst du Leonard Wein?” (meinen Vorgänger). Tja, so stellte sich herraus, dass Andrea die Ex-Freundin von meinem Vorgänger ist. Da fahr ich 12 Stunden von meinem Dorf mit dem Bus und geh zufällig in eine Disko und treff erstmal die Ex-Freundin meines Vorgängers – die Welt ist noch viel viel kleiner als ich dachte! (Bisher war der größte Zufall, dass einer meiner Kollegen aus meinem College in Neuseeland zwei Wochen nach seiner Rückkehr meinen besten Freund auf einem Campingplatz an der Ostsee kennen lernt und sie feststellen, dass sie mich beide kennen).
Anschließend haben Christian und ich uns von denen verabschiedet und dann beim Rausgehen noch eine Gruppe professioneller Hip-Hop-Tänzer kennen gelernt. Mit denen sind wir dann um vier Uhr morgens noch spontan ins 5* Hotel Guayaquil zum frühstücken gefahren. Da wir beide leicht angetrunken waren haben wir auch nicht so auf die Preise geachtet. Um 7 sind wir dann mit dem Taxi in unser Hostel gefahren, nach einem Frühstück für 32$.
Geschlafen hab ich dann erst auf der Heimfahrt im Bus, um 11h morgens. Um 7 abends war ich dann in Quito, wo ich bei meinem Kollegen aus der Schule, Diego, übernachtet habe um am nächsten Tag gemeinsam zur Schule zu fahren.
Ein sehr gelungenes Wochenende, andem ich zudem auch noch viele neue Freunde getroffen habe.