Am 9. Oktober ist in Ecuador nationaler Feiertag anlässlich der Unabhängigkeit von Guayaquil, der mittlerweile größten Stadt Ecuadors, welche an der Küste liegt. Ein guter Anlass dort hinzufahren! ;-)

Da der Freitag also frei war machte ich mich Donnerstag gleich nach der Schule auf Richtung Quito, wo ich mich dann mit den Deutschen treffen wollte, mit denen ich nach Guayaquil fuhr. Da ist vorallem Larissa zu erwähnen, die ich im Experiment-Gebäude zufällig kennen gelernt hatte, als ich dort war, bevor ich nach Shell gefahren bin. Wir sind mittlerweile ganz gute Freunde und waren am Wochenende vorher auch schon mit den Deutschen aus ihrer Gruppe weg.

Der Direkt-Bus Quito-Guayaquil der Compañia “Ecuador” fuhr um 10h abends aus dem Terminal in der Mariscal ab. Nachdem zunächst ein schlechter Film lief bin ich ziemlich schnell eingeschlafen. Nach nur 9 Stunden Fahrt (normalerweise braucht der Bus etwa 10 oder mehr) kamen wir dann also um 6:30h in Guayaquil an. Wir haben uns dann erst nochmal in ein Café in den nahegelegenen internationalen Flughafen gesetzt, in dem ich schon mal mit meinem Vater war, als wir auf dem Rückflug von unserer Reise waren. Dort trafen wir dann Svenja aus Bremen-Nord (siehe 3. Blogeintrag), die zu der Zeit in einem Hostal in Guayaquil arbeitete, um uns dorthin zu führen. Das Hostal war echt der Hammer und nur zu empfehlen, für 5$ p.N./p.P. (ca. 3€) gibt es dort sogar Tischtennis, einen kleinen Pool und eine Küche zur freien Verfügung.

Am ersten Tag haben wir uns dann die Stadt ein bisschen angeschaut. Ich war ja schon auf meiner Rundreise vorher einmal da gewesen und kannte daher das meiste, was wir angeschaut haben schon. Man muss ehrlich gesagt zugeben, dass Guayaquil nicht so die schönste Stadt ist. Alles sehenswerte kann man innerhalb von ein bis zwei Stunden zu Fuß erlaufen und das wars dann schon fast. Der Malecón 2000 (die Uferpromenade) ist allerdings sehr schön und der Parque de Iguanas (Leguan-Park) vor der Kathedrale ist ebenfalls sehenswert. In diesem winzigen Park leben mehr oder weniger wild Landleguane, mitten in der Innenstadt von Guayaquil.
Was ich noch nicht kannte und sehr schön fand war der Aufstieg zu einem Aussichtsturm, der sich auf einem Hügel am Ufer im Viertel Las Peñas befindet und von dem man einen beeindruckenden Überblick über Guayaquil hat.

Von den Feierlichkeiten anlässlich der Unabhängigkeit kann ich leider gar nicht so viel erzählen, denn es schien so, als ob es praktisch nichts gäbe. Den Nachmittag über gab es eine Parade in der Avenida del 9 de Octubre, aber so wirklich interessant war das nicht.
Wir sind dann abends noch weggegangen, nichts besonders erwähnenswertes.

Am Samstag haben wir uns dann relativ früh aufgemacht, um vom Busterminal aus in den Ort “Playas” zu fahren, wo es – wie man sich leicht denken kann – Strand gibt. Leider war das Wetter nicht sooo super, es war etwas kühl und grau-bewölkt, wir haben uns aber nichtsdestotrotz an den Strand gelegt, schon mal rein aus Trotz. Dort verbrachten wir dann den Nachmittag, wie immer umworben von Essens-, Eis- und sonstigem Kleinkram-Verkäufern. Dann mussten wir schnell den Bus besteigen, denn schließlich stand ein entscheidenes Spiel Ecuador-Bolivien in der WM-Quali an und das wollten wir natürlich am Malecón gucken. Wir kamen dann etwas verspätet schon zur Ende der 1. Halbzeit an und ehrlich gesagt hätten wir auch weg bleiben können, denn da Ecuador am Ende verlor war mit guter Stimmung nichts. Vorallem weil dieser Ausgang bedeutete, dass Ecuador im nächsten Spiel gegen Chile gewinnen musste und sonst raus ist (was dann auch so kam, am Mittwoch danach haben sie verloren).

Wir sind dann aber am Abend noch losgezogen, um in die Disko zu gehen. Zunächst sind wir mit dem Taxi zu einer kleinen Diskomeile gefahren, die im Reiseführer empfohlen worden war. Dort gab es allerdings nur eine einzige Disko, die nicht praktisch ausschließlich von Schwulen und Lesben betreten wurde und die war auch noch mehr oder weniger leer. Also haben wir einfach ein paar Leute vor der Disko angequatscht um eine Alternative zu finden. So erfuhren wir, dass nur etwa 10 Minuten zu Fuß die “beste Disko Guayaquils”, das Fizz war und dort sind wir dann auch hin.
Der Eintritt kostete happige 16$, dafür konnte man aber so viel Trinken wie man wollte, Bier, Whiskey, Vodka, Rum mit beliebiger Mischung. Ich hab mich vorher auch noch mal durchführen lassen und es war voll, die Musik war gut und die Stimmung auch. Nach einigem Zögern sind wir dann also rein.
Die Mädels sind dann schon so gegen 3 weg, während ich mit Christian, nem Kumpel, noch bis zum Schluss geblieben bin und das hat uns und vorallem mir noch eine ordentliche Überaschung beschehrt:
Ich stand gerade an der Bar, als mich ein Mädel, Jazmin, anspricht. Nach zwei Minuten Unterhalung stellt sie mir dann ihre Cousine Andrea vor. Wir reden noch ein bisschen und die beiden erfahren von mir, dass ich nördlich von Quito in einem kleinen Dorf arbeite. Also fragen sie nach dem Namen, wobei ich ihnen den aber erst nicht gesagt hab, weil das ja keiner kennt. Sie haben dann aber drauf bestanden und als sie den Namen “Piganta” hörten fragten sie doch glatt: “Kennst du Leonard Wein?” (meinen Vorgänger). Tja, so stellte sich herraus, dass Andrea die Ex-Freundin von meinem Vorgänger ist. Da fahr ich 12 Stunden von meinem Dorf mit dem Bus und geh zufällig in eine Disko und treff erstmal die Ex-Freundin meines Vorgängers – die Welt ist noch viel viel kleiner als ich dachte! (Bisher war der größte Zufall, dass einer meiner Kollegen aus meinem College in Neuseeland zwei Wochen nach seiner Rückkehr meinen besten Freund auf einem Campingplatz an der Ostsee kennen lernt und sie feststellen, dass sie mich beide kennen).

Anschließend haben Christian und ich uns von denen verabschiedet und dann beim Rausgehen noch eine Gruppe professioneller Hip-Hop-Tänzer kennen gelernt. Mit denen sind wir dann um vier Uhr morgens noch spontan ins 5* Hotel Guayaquil zum frühstücken gefahren. Da wir beide leicht angetrunken waren haben wir auch nicht so auf die Preise geachtet. Um 7 sind wir dann mit dem Taxi in unser Hostel gefahren, nach einem Frühstück für 32$.

Geschlafen hab ich dann erst auf der Heimfahrt im Bus, um 11h morgens. Um 7 abends war ich dann in Quito, wo ich bei meinem Kollegen aus der Schule, Diego, übernachtet habe um am nächsten Tag gemeinsam zur Schule zu fahren.
Ein sehr gelungenes Wochenende, andem ich zudem auch noch viele neue Freunde getroffen habe.

Das nächste Wochenende war wieder Familienfeier in Piganta angesagt, das Fest anlässlich der Konfirmation meiner Cousine Erica stand auf dem Plan.

Zunächst bin ich jedoch für den Freitagabend nach Quito gedüßt, um ein bisschen Tanzen zu gehen und auch um mich mit einigen Deutschen und Amerikanern zu treffen.

Die Torte Am Samstag fuhr ich dann zurück nach Piganta, wo die Vorbereitungen für die Feier schon in vollem Gang waren. Mit am beeindruckensten war die 120$-teure Torte, die sie haben anfertigen lassen. Unter dem linken Turm war einer kleiner Springbrunnen, den man anschließen konnte und dann lief Dort Wasser und es blinkten ein paar Lichter – wem’s gefällt. ;-) Ansonsten war die Menge an Essen und Alkohol wie immer sehr üppig, schließlich musste alles für 200 Gäste reichen. Tatsächlich reicht es meistens für mehr und es bleibt einiges übrigt. Ich habe dann dabei geholfen, das Essen an alle Gäste, die im Haus und im Hof verteilt saßen, auszuteilen, das hat mir den 2 Gängen etwa 1,5h gedauert, danach noch 1 Stunde wieder einsammeln. ;-) Wie man auf dem Foto sehen kann waren die Mengen an Essen relativ imens. Essen

Danach wurde dann getanzt. Ich habe dabei auch die Praktikantinnen vom letzten Jahr, Carina und Paola, kennen gelernt, mit denen mein Vorgänger Leonard gearbeitet hat. Sie waren extra für die Feier wieder nach Piganta zurück gekommen. DJ mit Equipment Mit der Musik ist es hier übrigens so, dass sie uns technisch gesehen in nichts nachstehen, moderne Soundanlage mit VirtualDJ, wie es auch bei uns benutzt wird. Einziger Unterschied ist halt die Musikrichtung, die sie spielen. Und fröhlich sind sie natürlich auch, besser gesagt feucht-fröhlich, fast schlimmer als wir Deutschen. :-D Gäste am Tanzen

Ansonsten gibt es auch nicht soo viel von der Feier zu erzählen, man tanzt, trinkt und unterhält sich. Um 4 war ich im Bett, meine Gastmutter sogar erst um 5. ;-)

Weitere Bilder gibt’s im neuen Album.

30.10.2009

Aktualisierungen

Hi!

Vielleicht habt ihr ja mitbekommen, dass ich jetzt wieder am Schreiben bin. Ich habe mir jetzt vorgenommen jeden Tag, an dem ich im Internet bin, einen Artikel zu verfassen, bis ich wieder auf dem aktuellen Stand bin und dann auch weiterhin aktuell zu bleiben, denn so ist das natürlich jeden Menge Arbeit.

Neben den beiden Artikeln von gestern und heute, habe ich auch neue Fotos hochgeladen, abgesehen von denen, die in den Artikeln auftauchen. Einige sind von Arbeiten und Ausflügen, zu denen es noch keine Artikel gibt, ich werde die dann dort mit einbauen und erklären. Neue Galerien: “Shell 17.9.”, “Wasserfälle 26.9.”, “Baños, Puyo 23.10″ und “Arbeit”. Neue Fotos: “Gastfamilie/Haus”, “Taufe Fernando José”, “Quito” und “Schule”.

Außedem habe ich das Wörterbuch um einige Wörter erweitert.

Für schöne Fotos guckt euch auch mal Silas’ Blog an (auf der rechten Seite in der “Links”-Sparte).

Viel Spaß und bis zum nächsten Artikel!

Das Wochenende darauf stand ein Ausflug mit den anderen Deutschen hier in der Parroquia und Gladys an, sowie die Dorffeiern von San José de Minas, inklusive eines Livekonzerts.

Morcilla beim Zubinden Zunächst haben wir aber am Freitagabend Morcillas gemacht, das sind mit Kohl gefüllte Würste aus Schweinsdarm. Mal wieder nichts für zarte Seelen. ;-)

Am Samstagmorgen wurde ich dann vom Schwager von Gladys auf dem Motorrad abgeholt, um von ihrem Haus aus den Ausflug zu den Wasserfällen von Atahualpa zu starten. Dort angekommen mussten wir jedoch erst noch Florian und Silas mit dem Auto abholen, da diese zu Fuß unterwegs waren.

Gladys erklärt die Vegetation Dann ging es los. Die Wanderung an sich war nicht all zu schwer, auch wenn es zwischendurch schon relativ steil bergauf und bergab ging, teilweise auch auf relativ schmalen Pfaden. Das schöne an der Wanderung war auf jeden Fall die Landschaft und erst recht, als wir an den Wasserfällen ankamen. Außerdem war es ganz cool, mal wieder mit den Deutschen aus meiner Community zu reden, die ich ja ansonsten nicht so oft sehe hier.
Silas im Wasser Beim ersten Wasserfall haben wir dann Fotos gemacht und Florian und Silas sind in dem etwa 10°!!!-kalten Wasser baden gegangen. Nichts für Warmduscher wie mich. ;-)
Danach ging es dann noch zu einem anderen Wasserfall, etwas weiter unten. Der Weg dorthin war durchaus abenteuerlich, da unheimlich steil und an sich eigentlich nicht mal ein Trampelpfad und zusätzlich stark bewachsen. Weg zum 2. Wasserfall

Nachdem wir dann zurück zu Gladys’ Haus gewandert waren, fuhr ich nach Piganta und von dort weiter nach San José de Minas, weil dort das Dorffest stattfand.

Am Nachmittag stand eine Pferdeshow an, bei der verschiedene Gruppen aus verschiedenen Regionen ihre Künste presentierten, dazu gehörten Dinge wie besondere Schritte der Pferde (ähnlich Dressurreiten), sich im Gallopp im Sattel hinstellen, sich unter ein Hinterbein des Pferdes legen, Tauziehen zu Pferde usw. Das Ganze fand im Stadion von Minas statt, vor einem Publikum von etwa 600 Zuschauern. Leider waren die aber nicht so wirklich angetan von dem Spektakel, da es ja jedes Jahr das gleiche ist. Es ist erstaunlich, wie die Ecuadorianer von ihren eigenen Traditionen bzw. Feiern gelangweilt sind, das habe ich danach noch öfters feststellen können, besonders auch bei Konzerten von Música Nacional.
Anschließend fuhr ich mit meinen drei Anwesenden Cousinen und Pamela noch mal vor dem Konzert, welches am Abend anstand, nach Hause.
Um 8 fuhren wir dann mit meinem Onkel Humberto, den drei Cousinen, Pamela und einem Freund, Fernando, nach Minas. Dort trafen wir noch eine Tochter und die beiden Söhne von Humberto, meine Cousins also und meine Kollegin, Mary, sowie ein paar andere aus Piganta und natürlich jede Menge Leute aus Minas. Wie ich schon angedeutet habe, waren die Leute nur schwer für das Konzert zu begeistern und sie tranken lieber Bier als zu tanzen. Als nach einigen schlechten Einzelkünstlern ein Orchester live spielte kam dann doch Stimmung auf, das war dann so gegen 11. Leider spielten sie nur etwa eine halbe Stunde und wurden dann wieder von schlechteren Interpreten abgelößt, was bewirkte, dass alle wieder nur noch tranken. Erst so gegen halb 2 spielte das Orchester wieder, meiner Meinung nach eindeutig Fehlmanagement der Veranstalter, denn um die Uhrzeit waren 1. schone viele weg und 2. der Rest zu betrunken um ernsthaft zu tanzen. Insgesamt hats trotzdem Spaß gemacht. :-) Nach Hause bin ich mit meiner Schwester dann so gegen halb 4 gekommen.

Am Sonntag sind wir dann noch mal nach Minas gefahren, um die Stierkämpfe zu sehen. Leider waren die anders als die, die ich mal bei meinem Schüleraustausch in Spanien gesehen habe. Die Stierkämpfer waren alles Amateure, jeder aus dem Publikum konnte die Arena nach Lust und Laune betreten um mitzumachen. Dementsprechend standen sie oft längere Zeit etwas ratlos herum, aus Respekt vor dem Stier. Einen Stier haben sie dann jedoch soweit ermüdet, dass man mit ihm praktisch alles machen konnte, z.B. auch reiten.

Anschließend ging’s auch schon wieder nach Hause, wie immer Sonntags, beim Ecuavolley zuschauen und Fußballspielen auf dem Sportplatz der Schule.

In der anschließenden Woche, ab dem Mittwoch dem 16. machte ich mich auf den Weg in Richtung Amazonía, dem auf der anderen Seite der Anden gelegenen Teil Ecuadors der größtenteils Regenwald ist.

Auf meiner dreiwöchigen Reise mit meinem Vater hatte ich bei der Besteigung des Chimborazo, des höchsten Berges Ecuadors (und gleichzeitig höchster Berg der Welt, wenn es nach dem Abstand zwischen Gipfel und Erdmittelpunkt geht) auf 5000m die Bekanntschaft einiger Mädels gemacht, mit denen ich seitdem in Kontakt stehe. Sie wohnen in der Stadt Shell (benannt nach dem Ölkonzern, der auch in Deutschland Tankstellen betreibt) in der Nähe der Provinzhauptstadt Puyo der Provinz Pastaza. Da sie mich eingeladen hatten, sie zu besuchen, wollte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, kostenlos unterzukommen und gleichzeitig einen neuen Teil Ecuadors kennen zu lernen, das ganze gemeinsam mit Freunden.

Am Mittwoch fuhr ich dann also zusammen mit meiner Großmutter im Auto ihrer Halbschwester (der Mutter des Ingeniero Galo) nach Quito. Unterwegs haben wir uns unterhalten und so luden mich die Eltern des Ingeniero spontan ein, mit zu ihnen nach Hause zu kommen, was ich dankend angenommen habe. Die Neffen des Ingeniero, Pablo, Santiago und Carla kenne ich schon und wir verstehen uns immer super, wenn wir uns treffen, daher war es eine coole Gelegenheit bei ihnen zu übernachten.

Am nächsten Tag bin ich dann ins Terminal Quitumbe ganz im Süden von Quito gefahren, von wo die meisten interprovinziellen Busse abfahren und bestieg den Bus nach Puyo. Im Allgemeinen kann man sagen, dass das öffentliche Verkehrsnetz in Ecuador sehr gut ausgebaut ist, nahezu besser als in Deutschland. In jede größere und kleinere Stadt fährt von Quito aus mindestens einmal die Stunde ein Bus, wobei beispielsweise die 5-stündige Fahrt nach Puyo nur 5$ kostet, also etwa 3,20€ (die 10 Stunden nach Guayaquil kosten 10$ (~6,50€), es gilt die Faustregel: “Pro Stunde Fahrt ein Dollar”).

Ich bin dann also gegen Abend in Shell (15min vor Puyo) angekommen und wurde von Verito, der einen Ecuadorianerin, an der Bushaltestelle abgeholt. Mit ihr bin ich dann zum Haus von der Großeltern von Aracely (der anderen ;-) ) gegangen, in dem ich für das Wochenende wohnen sollte. Aracelys großeltern haben eine Finca in der Nähe von Tena, der Hauptstadt der Provinz Napo, wo sie die meiste Zeit wohnen, sodass Aracely die Möglichkeit nutzt, dort öfters Freunde, die auf Besuch sind unterzubringen. Das Haus wird von zwei Hunden bewacht, die freudig auf mich einstürmten und mein – dämlicherweise angezogenes – weißes Hemd mit ihren Pfoten runinierten. :-D

Nachdem ich meine Sachen dort abgestellt und den Schlüssel in Empfang genommen habe sind wir in einer Frittenbude was Essen gegangen und dann nach Puyo gefahren, im Auto einer Freundin der beiden. Besonders sehenswert ist die Stadt nicht, schon gar nicht bei Nacht. Was trotzdem ganz nett mit den beiden, David, einem Freund von ihnen und der Freundin durch die Gegend zu cruisen. Wir sind dann noch an den Malecón, die “Uferpromenade” (kann man da eigentlich kaum so nennen, ist mehr ein gepflasterter Platz am Fluss) gefahren und haben dort Fotos bei einem Denkmal gemacht. Es besteht aus Indianern der 7 verschiedenen Stämme, die in Pastaza heimisch sind/waren. Zu denen haben wir uns also dazu gesetzt. ;-) Auf dem Platz steht auch ein Aussichtsturm, der aber leider schon geschlossen war. Egal, rauf da! :-D Mit einer Räuberleiter in den ersten Stock und von da bequem mit der Treppe bis nach ganz oben, das war schon toll, auch wenn die Stadt nicht mal von oben bei Nacht besonders schön ist. Das Abendteuer war es wert. :-)

Danach gings nach Hause, wobei ich begeistert die DVD-Sammlung von Aracelys Opa entdeckte und mir gleich erstmal “Das Bourne Ultimatum” reinlegte, war sogar eine Original-DVD (die erste, die ich hier in Ecuador gesehen habe) und so konnte ich das Teil auf Englisch genießen. :-) Im Übrigen scheint der Opa ein Jean Claude Van Damme-Fan zusammen, er hat 5 verschiedene DVD-Kollektionen von ihm (natürlich alles Piratenzusammenstellungen). :-D

Weg zur Schule Am nächsten Tag bin ich dann Verito in ihrer Schule besuchen gegangen, wo sie Computación unterrichtet – und habe spontan eine Stunde Englisch gegeben. Nicht zu vergleichen mit meiner Schule in Piganta! Das könnte daran liegen, dass es eine Privatschule ist, die Vielfalt an Unterrichtsmaterialien und die Qualität der Ausstattung ist beachtlich. Abgesehen davon konnten die Schüler der 4. Klasse dort mehr als meine 6. und 7. Klässler. ;-)

Etwas später am Nachmittag haben wir dann Aracely von der Arbeit abgeholt. Sexy Ice! Dazu muss man wissen, das Shell von Luftfahrt geprägt ist, da sich dort der Amazonas-Stützpunkt der ecuadorianischen Luftwaffe befindet. Der Flughafen wird mittlerweile aber auch zivil genutzt und sie arbeitet bei einem Cargo-Unternehmen als Sekretärin. Wir sind dann wieder nach Puyo gefahren und haben uns einen sehr interessanten Vogelpark angeguckt. Anschließend gings Eisessen, wow wie ich das vermisst habe! Habe mir glatt zwei Becher hintereinander gegönnt, während wir die dämlichsten Fotos gemacht haben.  ;-)

Dann fuhren wir nach Hause, da Aracely und Verito eine Probe mit ihrer Kirchenband hatten. Da hatte ich dann sogar die Möglichkeit Schlagzeug zu spielen (Fotos auf Facebook!), was ich natürlich echt super fandt und die Band übrigens auch, da der Schlagzeuger immer wesentlich später kommt. ;-)
In Shell sind die meisten Leute Evangelisten, was man mit unserer Evangelischen Kirche nicht vergleichen kann. Hier ist es fast wie eine Sekte, ich glaube in Deutschland gibt es sowas wie die “Evangelische Freikirche”, die so ähnlich ist. Dementsprechend bin ich auch über einige Missionierungsversuche nicht herumgekommen. Fällt bei mir jetzt nicht auf besonders fruchtbaren Boden. :-D
Wie auch immer, die Musik war trotzdem schön. :-)

Am Samstagvormittag haben wir zunächst die erste Flugzeugfabrik Ecuadors besucht, wobei hier nur Kleinflugzeuge gebaut werden und es eher einer sehr großen Garage gleicht. ;-) Dort arbeiten Freunde von den beiden. Danach aß ich mit Aracely Mittag, nachdem ich ihr ein bisschen bei der Arbeit geholfen habe. Ich, Aracely, Fernando und der Helikopter Am Nachmittag gingen wir dann noch zu einem anderen Freund der beiden, der begeisterter Modellflieger ist und uns seine Künste mit seinem Helikopter zeigte. War auch wirklich ein bisschen beeindruckend, auch wenn mich sonst sowas nicht so interessiert.

Abends war dann das Konzert, nachdem es erstmal kräftig geregnet hatte. Leider waren die nicht so fit mit Technik und haben glatt mal einige Strahler von mehreren 100 Watt + eine ordentliche Soundanlage inkl. Zubehör an eine einzige Steckdose angeschlossen haben. :-D Das war schon belustigend, wie sie zu ihren von Gott singen und nach spätestens zwei Minuten immer der Strom ausging, zweimal sogar während der Sänger gerade “Dios” sang (was mich sehr gefreut hat, ich Arsch :-D ).

Am Sonntag morgen habe ich mich dann wieder auf den Rückweg gemacht. Habe einige coole Leute da kennen gelernt und ich muss dort unbedingt noch im Fluss baden, hatte nur leider keine Badehose dabei. Dementsprechend fahre ich dort sicherlich bald wieder hin.

16.10.2009

Intermezzo in Quito

Nach der ersten Schulwoche bin ich dann am Wochenende ab dem 11.9 nach Quito gefahren, um meine Gastfamilie dort zu besuchen und vorallem um mich das erste Mal wieder mit den anderen Deutschen zu treffen. Wir hatten uns so einigermaßen abgesprochen, sodass von den etwa 27 weltwärts-Teilnehmern ungefähr 15-20 auch in Quito waren.

Am Freitagnachmittag bin ich erstmal zum Gebäude meiner Organisation gefahren und habe dort Silas und Florian (die auch beide hier in Atahualpa sind) und Inga (aus Perucho, hier in der Nähe) getroffen, sowie einige weitere weltwärtsler, außerdem meinen Spanischlehrer aus dem Vorbereitungsseminar und einige andere.
Für den Freitagabend hatte ich mich mit Deutschen verabredet, die ich beim ersten Mal als ich in der Mariscal tanzen gewesen bin kennen gelernt habe und die schon ein halbes Jahr hier sind. Im Taxi bin ich mit zwei von den weltwärts-Leuten, Judith und Moritz, gefahren, die beide in Puerto Quito arbeiten. Es war mal ganz interessant zu erfahren, wie es dort so läuft. Es ist schon ziemlich anders dort im Bereich der Küste, die Leute vorallem. Die werden dort ungelogen mehrfach am Tag ersthaft gefragt, ob sie nicht heiraten wollen, meist völlig unbekannte Personen. Härtefall: ein Kolumbianer redet sie unbekannterweise an und fragt, ob sie nicht seinen Sohn mit nach Deutschland nehmen können.
Von Heiratsanträgen und dergleichen bin ich hier in der Sierra zum Glück bisher verschont geblieben. ;-)
Mit den deutschen in der Bar war es dann sehr nett, wie eigentlich immer, und ich habe mich mit dem Barkeeper angefreundet (dieser hat mir mittlerweile, einige Wochen später, auch schon angeboten, ich kann bei ihm übernachten, wenn ich möchte, was sehr praktisch ist, da er nur 5 Minuten vom Partyviertel zu Fuß entfernt wohnt).

Am Samstag war dann bei meiner Gastschwester eine Fete, die sogenannte “Babyshower”, da sie in einem Monat ein Kind erwartete (mittlerweile ist es seit etwa zwei Wochen geboren!). Die Feier fand in der Wohnung meines Gastbruders Juan Fernando statt, allerdings durften nur die Frauen zu der eigentlichen Feier, während alle Männer unten in der Wohnung meiner Gastmutter saßen, sich unterhielten und Whiskey tranken.

Am Abend bin ich dann wieder in die Mariscal gefahren, diesmal habe ich mit mit den Deutschen meiner Gruppe getroffen und wir waren wieder in der Bar, diesmal mit etwa 15 von uns.

Am Sonntag bin ich dann mit Silas und Florian zurückgefahren. Leider gab es einen großen Stau, weil auf der Panamericana ein Bus umgekippt war. Zum Glück ist aber wohl nix Schlimmeres passiert.
Als ich in Piganta ankam gab es überraschenderweise eine kleine Feier bei Aníbal und Lupe anlässlich des Geburtstags meines Onkels Maxi. So kam ich dann auch erst um 1 ins Bett.

Am 7.9. ging dann die Schule los.
Am ersten Tag war noch kein Unterricht, sondern die Schüler versammelten sich auf dem Hauptplatz der Schule, wo sie sich nach Jahrgängen getrennt in zwei Reihen, Jungen und Mädchen, der Größe nach, aufstellen. Zunächst wurden die neuen Lehrer (inklusive mir) vorgestellt.
Anschließend wurde die ecuadorianische Flagge gehisst und die Nationalhymne gesungen. Im Übrigen tragen die Schüler hier Schuluniform. Diese Zeremonie findet jeden Montag statt. Dazu kommt dann immer noch ein Motivationsappell des Lehrers, der das Prozedere an dem Tag leitet.

In den ersten Tagen waren wir noch damit beschäftigt, mit den Schülern die Klassenräume weiter zu säubern, einzurichten usw. Dann ging es so langsam mit Unterricht los. Ich gebe allen Jahrgängen die drei Fächer Inglés (Englisch), Computación (ITG/IV) und Cultura Física (Sport), wobei in Sport und Englisch bis auf die 1. Klasse jeweils zwei Jahrgänge zusammen gefasst sind. Insgesamt hat unsere Schule ca 50 Schüler, die Jahrgänge zwischen 5 und 10, sodass es eigentlich recht übersichtlich ist.

Unterricht hier läuft natürlich etwas anders ab als in Deutschland, nicht zuletzt deswegen, weil sich die Schüler nur sehr schlecht konzentrieren können, nicht gut zuhören und allgemein sehr unselbstständig sind. Das liegt aber eben nicht nur daran, dass es Grundschulkinder sind. Beispielsweise brauchen einige Schüler der 6. Klasse zum abschreiben von 6 Englischen Vokabeln inklusive deren Übersetzung, dem Datum und dem Titel etwa 30 Minuten, da sie die meiste Zeit einfach nichts tun und in die Gegend starren. Auch behalten sie nur sehr wenig von dem, was man ihnen sagt – hier ist definitiv sehr viel Gedult gefragt, mehr als man vielleicht mit deutschen Grundschülern braucht.

Einige meiner Kollegen

Trotzdem fühle ich mich in der Schule ganz wohl, meine Kollegen sind sehr nett. Und da die Schüler mich mittlerweile kennen und schätzen gelernt haben, komme ich sogar mit dem Unterricht halbwegs vorran. Zumindest in Computación sind sie eigentlich immer sehr motiviert, das Gegenteil davon ist Inglés, doch auch hier merke ich erste Fortschritte.

Tafelbild

In der Schule gibt es im Übrigen auch eine Küche, in der eine Mutter jeden Tag für alle kocht. Die Lebensmittel, ebenso wie Schulbücher und -uniformen werden von der Regierung gestellt. Es gibt nur eine Pause, von 9:45 bis 10:15, in der es für alle Schüler Kekse und eine Tasse Milch gibt. Schulbeginn ist um 7:30 und die letzte Stunde endet um 12:30.

Weitere Informationen zum Unterricht usw. folgen in anderen Artikeln, wenn sich eine passende Gelegenheit bietet.

Beginnen wir mit der Familienfeier anlässlich der Taufe meines Cousins 2. Grades Fernando José am Samstag den 5.9. ;-)

Zwei Tage vorher sind wir nach Pilgarán gefahren, wo Silas arbeitet, um Hühner zu kaufen, die am Freitag dann geschlachtet wurden. Insgesamt wurden für die Feier 40 Hühner und ein Schwein geschlachtet, eingeladen waren etwa 200 Leute. Außerdem haben wir Donnerstag und Freitag das Haus noch einmal komplett gestrichen. Haus streichen

Das Schlachten selbst war keine erfreuliche Angelegenheit für mich, wobei ich bei denen Hühnern nur beim Rupfen geholfen hab. Nachdem ihnen die Kehle durchgeschnitten wurde, hält man das Huhn etwa 10 Sekunden in kochendes Wasser, damit sich die Federn leichter rupfen lassen. Wirklich gut konnte ich es aber trotzdem nicht. :D Ausnehmen des Schweins Danach habe ich geholfen das Schwein zu schlachten: Erst wird ein Loch in die Brust gemacht und dann lässt man es Ausbluten. Noch lebend beginnen sie dann mit einem Flammenwerfer die Haut zu rösten, damit man die oberen, dreckigen Hautschichten leichter abkratzen kann. Alles wirklich nicht lecker oder tierfreundlich… Nach dem Säubern wird dann der Bauch aufgeschnitten und die Eingeweide Stück für Stück herausgelöst, die werden ebenfalls fürs Essen verwendet.

Mauern Am Samstag, dem Tag der Feier arbeite ich zunächst mal mit meinem Onkel und habe dabei geholfen auf dem Haus anzufangen den zweiten Stock zu errichten. 8 Stunden Mauern, und es hat mir echt Spaß gemacht!
Am Nachmittag, geputzt und gestriegelt, gings dann in die Kirche, wo Fernando José getauft wurde. Der Gottesdienst war auch mal was Interessantes für einen Kirchengegner wie mich. :D Segnung des Kindes

Anschließend ging es zurück zum Haus meines Onkels, wo dann die Feier bald losging. Zunächst hab ich noch geholfen, Essen zuzubereiten und Licht im Hof zu verlegen. Währenddessen mixte Aníbal (der Onkel) den Alkohol: 40l Puro, das ist ein ziemlich eckeliger, billiger Schnapps, den man mit Sprite mischt und das ist das einzige, was es auf den Feiern hier gibt. Zum Glück gab es später dann sogar noch ein bisschen Bier und die Frau des Ingeniero (Administrator der Hacienda) hatte Barcardi Oro mit Cola, sodass ich auch ein bisschen was getrunken habe.

Auf den Feiern hier ist es grundsätzlich so, dass die Gastgeber für ALLE Essen bereitstellen, selbst gekocht natürlich. Die Verköstigung der 200 anwesenden Gäste (fast ausschließlich Familienmitglieder) dauerte dementsprechend etwa zwei Stunden (und ca 10 Stunden Kochen vorher). Danach wurde dann getanzt. Leider spielen sie hier ausschließlich Música Nacional, Volksmusik sozusagen, auch wenn die sehr anders ist als Deutsche Schlager und etwas leichter auszuhalten. Trotzdem hätte ich mir auch mal ein bisschen Salsa, Merengue, Bachata oder Reggaeton gewünscht… Getanzt habe ich trotzdem, bis 6 Uhr morgens. :) Ausgelassene Stimmung

Am nächsten Tag sah das Haus ziemlich chaotisch aus, im Hof lag eine Schnappsleiche, mein Onkel schlief quer auf seinem Bett und die Betten seiner Töchter waren allesamt mit Besoffenen belegt, kein Wunder bei 40l Schnapps!

Hi!

Ich hab jetzt nen Monat nichts geschrieben und die Ereignisse häufen sich. Da ich meine Webcam nicht zum Laufen kriege für einen Videobreitrag schreibe ich es jetzt also doch. Ich werde mich einfach etwas kürzer fassen oder das zumindest versuchen.

Für jedes Ereignis werde ich einen eigenen Artikel verfassen, damit es übersichtlich bleibt.

16.09.2009

Aufholjagt

Hallo!

Ich hab ja jetzt schon seit einiger Zeit nix mehr geschrieben und es ist echt viel passiert.
Da ich ehrlich gesagt keine Lust habe, so viel zu schreiben, versuche ich bald, einen Videoeintrag hochzuladen, wo ich alles erzähle. Im Moment weigert sich meine Webcam aber noch. ;)

Was so passiert ist: Vor zwei Wochen die Familienfeier inklusive den Vorbereitungen, Mauern auf dem Dach von meinem Onkel, Beginn des Schulunterrichts, letztes Wochenende Treffen mit den Deutschen in Quito und jetzt bin ich wieder in Quito und fahre morgen mit dem Bus in den Regenwald, nach Puyo, Pastaza, Freundinnen besuchen, die ich während meiner Reise hier kennen gelernt habe.

Also, bis bald, ich hoffe, ich schaffe es bald den Videoeintrag zu verfassen.

¡Saludos!

P.S.: Ich habe das Wörterbuch (jetzt Wörtbuch und Sprachführer ;-) ) um einiges erweitert, mit der neuen Sektion “Begrüßung und Verabschiedung”, sowie neuen Wörtern und einem kurzen Abschnitt bei der Aussprache.

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